Die LSC-Flugblätter

Auszüge aus unserer Vereinszeitung:

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FFH, Grabwespen, Strohblumen, Silbergras und SEGELFLUG

Sonderlandeplatz, Platzzulassung für ULs - was ist eigentlich los?


FFH, Grabwespen, Strohblumen, Silbergras und SEGELFLUG


Wer bei FFH an den bekannten Rundfunksender denkt, liegt falsch. FFH steht als Kürzel für den Begriff "Flora,Fauna,Habitat" und umschreibt eine EU-Verordnung zur Umsetzung des EU-Programms "NATURA 2000". Mit Erlass dieser Verordnung verpflichteten sich alle EU-Mitglieder einen in etwa festgelegten Prozentanteil (zwischen 5 % und 10 %) ihrer Landesfläche für Naturschutzzwecke zur Verfügung zu stellen.

Dass dabei in erster Linie wertvolle Biotope (Habitate) und Lebensräume für vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten (Fauna und Flora) ausgewählt werden würden, war absehbar.

Was nun hat all dieses mit uns und unserem Segelfluggelände zu tun? Nun, in der letzten Flächenmeldung der Hessischen Landesregierung für die FFH-Bereiche wurde aus der Gemarkung Babenhausen das Gewann "In den Rödern" mit immerhin einer Fläche von über 50 ha mitgemeldet und das ist unser gesamter Flugplatz, der Truppenübungsplatz und die angrenzenden Eichenwälder. Was war der Grund für die Benennung und was kann dies bedeuten? Zunächst zum Grund.

Der Flugplatz und der angrenzende Truppenübungsplatz liegt auf uralten nährstoffarmen Flugsandbereichen.
Der Lebensraumtyp, der sich in dieser offenen Landschaft herausgebildet hat wird als "Offene, meist lückige Grasfläche auf bodensauren Binnendünen, Kleinschmielen-Rasen, Silbergras-Rasen, ausdauernde lückige Sandtrockenrasen" bezeichnet.
Besondere, gerade für Insekten wesentliche, Pflanzenarten in diesem Habitat sind Erika, Thymian, versch. Habichtskrautarten, Sand-Grasnelke (Rote-Liste-Art), Sandstrohblume (Rote-Liste-Art) und das Berg-Sandglöckchen.
Den Gräsern (Silbergras, Borstgras u.a.) und den vorgenannten Blütenpflanzen ist eigen, dass sie typische Besiedler von Pionierstadien der Sandrasen sind. Besonders wertvoll wird das Gelände aber durch die vielfältige Insektenfauna, die hier vorkommt. Unsere meist "unscheinbaren Fliegerkameraden" sind dabei die wichtigsten. Allgemein werden diese Tierchen, die so eine Bedeutung haben, in der Familie der "Stechimmen" zusammengefasst. Ähnlich wie die vorgenannten Blütenpflanzen an das Pionierstadium gebunden sind, benötigen auch nahezu alle hier lebenden Insekten offenes Grasland.

Offenes Grasland ist dabei so zu verstehen, dass es nicht zu einer geschlossenen Grasnarbe und geschlossenen Vegetationsdecke kommen darf, sondern im "Pionierstadium" immer wieder zu mehr oder minder großen Bodenverwundungen kommen muss.

Ich will nur einige der besonderen Tiere, die den Wert des Geländes ausmachen nennen:
Grabwespenarten (in unserem Bereich kommen allein 19 verschiedenen Rote-Liste-Arten vor), die entweder als "in ihrem Bestand gefährdet" oder gar "vom Aussterben bedroht" gelten, Faltenwespe (Rote Liste "vom Aussterben bedroht, in weiten Teilen verschollen), Wespenbiene (extrem selten, nur noch eine weitere Beobachtung in Hessen), Weißer Waldportier (vom Aussterben bedrohter Schmetterling), Blattschneiderbiene (Rote Liste), Kegelbiene (Rote Liste), Wollbiene (Rote Liste), Sandbiene und Seidenbiene.

Das besondere an den meisten dieser Stechimmenarten ist, dass sie meist ihre Nester in Erdlöchern anlegen, in der Regel aber nicht in der Lage sind, geschlossene Grasdecken zu erschliessen, sondern auf Initialboden-verwundungen angewiesen sind und zum Leben Blütenpflanzen wie Thymian, Erika und Sandnelke als Honig- und Nektarspender benötigen. Die Bodenverwundungen in grauen Urzeiten entstanden in unserem Raum durch wandernde Flugsanddünen, die immer wieder offenen Oberboden entstehen liessen, heute sind dies künstliche Bodenverwundungen, sei es durch Panzer auf dem Übungsgelände, oder, wie in unserem Fall, durch startende oder landende Segelflugzeuge. 

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass gerade entlang der Schleppstrecke, an der immer wieder Bodeneinschnitte durch die Seile entstehen, eine besonders hohe Besiedlungsdichte von Grabwespen vorliegt. Man kann sehen, wir teilen uns unser Gelände mit ganz schön wichtigen Mitbewohnern, auf die wir, wie dies in einer guten Wohngemeinschaft üblich ist, Rücksicht nehmen sollten. Wie wirkt sich die FFH-Meldung nun aus und was bedeutet sie für uns?

Zunächst einmal tritt mit der Meldung ein sogenanntes Veränderungs- und Verschlechterungsverbot in Kraft.
Das heißt, die bisherige Nutzung kann unverändert fortgeführt werden, solange sich der Schutzanlass nicht negativ verändert.
Erst in den Folgejahren muss und wird von den nationalen Stellen entschieden werden, ob die jeweiligen Flächen unter den Schutz des nationalen Naturschutzrechtes gestellt werden. Für uns heißt dies zunächst zweierlei:

* Solange die Nutzung des Geländes als Truppenübungsplatz mit anhängendem Segelfluggelände erfolgt, bleibt alles beim alten, d.h. solange die Amerikaner in Babenhausen bleiben, ist nicht mit weiteren Unterschutzstellungen zu rechnen.
* Die Untersuchung der Stechimmenfauna im Bereich des Truppenübungsplatzes, besagen dass auch künftig nach Abzug der US-Streitkräfte der Wert des Geländes nur bei immer wieder erfolgender extensiver Nutzung erhalten werden kann (was auch immer man sich darunter vorstellen kann).
* Für den Bereich des Segelfluggeländes zitiere ich nachstehend das Gutachten: " Der Einfluss der Nutzung durch den Flugverkehr ist ähnlich differenziert zu beurteilen. Bereiche, welche extensiv genutzt sind (v.a. Modellflugplatz und Ränder des Segelflugplatzes) schaffen sehr wertvolle Standorte. Die zentralen, kurzrasigen Bereiche (Landebahn der Segelflieger sind dagegen von untergeordneter Bedeutung."

Sollte es eines Tages tatsächlich zu Überlegungen kommen, aus dem Gebiet ein Naturschutzgebiet zu machen, wird es wesentlich auf die Grenzziehung ankommen, die m.E. für uns und ein NSG schadlos südlich der Schleppstrecke liegen könnte. Bis dahin gilt es für uns möglichst wenig dazu beizutragen, das Gelände zu verändern, oder möglichst viel zu tun, den Charakter zu erhalten. 

Dazu gehört auch die Durchführung von Maßnahmen, die wir in den letzten zwei Jahren bereits in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde eingeleitet und durchgeführt haben, wie beispielsweise regelmäßiges Entfernen von Kiefernanflug, Beseitigung von Robinienwurzelbrut, nur wenige extensive Mahdgänge zwischen den Landefeldern (dort Schonung von Heide, Thymian und Grasnelkenbereichen). Ich denke einmal, wenn wir uns in dem Rahmen weiter mit dem Naturschutz arrangieren und das Gelände weiterhin so schonend und rücksichtsvoll behandeln wie bisher, haben wir auch künftig gute Chancen, ungeschoren unserem Sport nachgehen zu können.

Kurt Schäfer

Flugblätter Nr.1 Februar 2001

 

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Sonderlandeplatz, Platzzulassung für ULs - was ist eigentlich los?


Schon im Jahr 1993 hat sich der LSC mit Unterstützung der Stadt darum bemüht den Bestand zu sichern und den Flugplatz zumindest als Segelfluggelände in den Regionalen Raumordnungsplan (RROP) zu übernehmen. Das ist danach auch geschehen. Eine Aufnahme als Sonderlandeplatz ist jedoch gescheitert.

Bei der Fortschreibung des RROP haben wir 1999 wieder versucht, den Status eines Sonderlandeplatzes zu erreichen. Die Stadt Babenhausen hat auf unsere Anregung hin - der LSC ist selbst nicht antragsberechtigt - einen entsprechenden Antrag gestellt. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Ein paralleler Antrag der Naturschutzverbände, den Platz nicht als Sonderlandeplatz vorzusehen mit der Begründung "Erhebliche Beeinträchtigungen für den angrenzenden Naturschutzbereich sind bereits vorhanden" wurde von der Planungsversammlung zur Kenntnis genommen.

Beschlussbegründung zu beiden Anträgen:
"Gemäß der Planzeichen VO vom 10. Nov. 1997 (GVBL. I 1997, 479) sind nur noch Flughäfen und Landeplätze im Regionalplan auszuweisen. Die im RROPS `95 enthaltenen Planzeichen Sonderlandeplätze und Segelfluggelände sind weggefallen. Ein textlicher Hinweis, dass ein Segelfluggelände im Einzelfall in einen Sonderlandeplatz umgewandelt werden kann, wird nicht in den Plan aufgenommen. Es ist im Einzelfall durch ein luftverkehrliches Genehmigungs-verfahren zu prüfen, ob eine Änderung erfolgen kann. Dabei sind insbesondere Notwendigkeit, wirtschaftliche Bedeutung und Umweltverträglichkeit Prüfungskriterien."

Soweit der aktuelle Stand. Durch verschiedene aktuelle Angelegenheiten, Zulassung der ULs, Tankstelle usw. haben wir bisher die Möglichkeit eines luftverkehrlichen Genehmigungsverfahren nicht weiter verfolgt. Ganz aktuell sind wir jedoch mit dem RP Darmstadt wieder im Gespräch und ein entsprechender Antrag wird vom Vorstand des LSC in diesem Frühjahr gestellt werden. Warten wir es mal ab, welche Hürden dann noch zu nehmen sind. Der Sonderlandeplatz Heppenheim, der bisher eine befristete Genehmigung für zwei Jahre hatte, erhält demnächst eine unbefristete Genehmigung als Sonderlandeplatz. Das läßt uns hoffen!

Bei der UL - Zulassung hat sich einiges getan: Auf unseren Antrag hin hat das RP im Oktober 2000 die Platzzulassung geändert und unter anderem 2 dreiachs-gesteuerte UL zugelassen. Der Nachtrag zur Genehmigung hin ja auch einige Wochen an der Infotafel aus. Notwendig ist jetzt "nur" noch eine Änderung des Mitbenutzervertrages mit den Amerikanern. Bei der Beschäftigung mit unserem Mitbenutzervertrag ist uns aufgefallen, das der gesamte Vertrag nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht, als Beispiel sei nur der amerikanische Flugplatzkommandant genannt, den es nicht gibt. Die amerikanischen Stellen in Heidelberg haben uns mündlich gebeten, einen Vorschlag für eine neue Vertragsfassung die unseren Wünschen entspricht vorzulegen. Das ist bisher aus zeitlichen Gründen nicht geschehen. Das ist auch in Kürze nicht leistbar, ist doch die Materie sehr kompliziert. Wir haben uns deshalb in Absprache mit Heidelberg dazu entschlossen kurzfristig nur eine Änderung des Vertrages bzgl. der ULs zu beantragen und eine neue Fassung anlässlich der Vertragsverlängerung zu Beginn des Jahres 2002 auszuarbeiten. Das geht dann möglicherweise einher mit einer Neufassung der Genehmigung des RP - ob Sonderlandeplatz oder nicht sei dahingestellt.

Ich bin jetzt nur auf die Zulassung der ULs eingegangen. Die etwas freiere Nutzung unseres Platzes für Segelflugzeuge liegt mir natürlich ganz genauso am Herzen. In der Genehmigung des RP ist das so schon niedergeschrieben, nur im Mitbenutzervertrag ist das ungleich komplizierter, da die Amerikaner jedenfalls bisher immer noch auf Versicherungsbestätigungen für jedes einzelne Flugzeug bestehen. In unserem Jubiläumsjahr wollen wir aber alle unseren "Jubiläumsbonus" und unseren Schwung nutzen, um dem Leben des LSC eine sichere Zukunft zu geben und das Handling unserer Genehmigungen einfacher zu gestalten.

Wulf Heintzenberg im Januar 2001

Flugblätter Nr. 1 Februar 2001


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